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Zwillingsgeburt – Risikogeburt und Kaiserschnitt?

Wenn ein neues Familienmitglied geboren wird, ist das immer eine sehr schöne, aber auch sehr aufregende Sache, bei der sich der Alltag oft stark ändert. Wenn eine Schwangere Zwillinge erwartet, wird das Ganze noch aufregender. Durchschnittlich jede 40. Geburt weltweit ist eine Zwillingsgeburt. Die Häufigkeit unterscheidet sich regional teilweise stark. Hormonbehandlungen, künstliche Befruchtungen und das steigende Lebensalter werdender Mütter lassen die Anzahl von Zwillingsgeburten stetig steigen. Dank umfangreicher Betreuung durch Ärzte und Hebammen treten auch bei der Geburt von zwei Kindern nur selten Komplikationen auf. Trotzdem gibt es einige Informationen ,die potenzielle Zwillingsmütter nicht missen sollten.

Risikogeburt

Risikogeburt

Jede Zwillingsgeburt fällt von vornherein unter den Begriff „Risikogeburt“. Das soll aber keine Panikmache darstellen, sondern lediglich die Sicherheit der Babys und der Mutter gewährleisten. Wenn die Mutter es erlaubt, werden besondere Überwachungsmaßnahmen durchgeführt. Beispielsweise können beide Embryos mit einem Wehenschreiber überwacht werden, medizinisch CTG oder Kardiotokograph. Das Gerät misst die Herzfrequenz der ungeborenen Kinder im Zusammenhang mit der Häufigkeit, Länge und Stärke der Wehen. Damit kann vor allem schnell erkannt werden, wenn die Babys nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt werden. Weiterhin kann es sein, dass der Gebärenden vorsorglich eine Venenkanüle angelegt wird. Eventuell werden auch notwendige Infusionen gegeben, beispielsweise von Antibiotika.

Von Hausgeburten und ambulanten Geburten wird bei Zwillingen abgeraten. Ein stationärer Aufenthalt sorgt dafür, dass eine sofortige Behandlung von Komplikationen während und nach der Geburt geleistet werden kann. Zu solchen Problemen zählen zum Beispiel starke Blutungen, depressive Verstimmungen der Mutter oder Schwierigkeiten beim Stillen. Eine erfahrene Hebamme steht der Zwillingsmutter bei Fragen und Problemen mit Rat und Tat zur Seite. Das schenkt Sicherheit und Vertrauen in der ungewöhnlichen Situation.

Ist immer ein Kaiserschnitt notwendig?

Wenn die Mutter und die ungeborenen Kinder gesund sind, ist ein Kaiserschnitt nicht zwingend erforderlich. Viele Zwillinge kommen bei einer „klassischen“ Geburt ohne Probleme auf die Welt. Ob ein Kaiserschnitt angewendet werden muss, wird meist über die Lage der Babys entschieden: Die optimale Ausgangssituation ist, wenn beide Kinder mit dem Kopf voran im Geburtskanal liegen. Das ist immerhin bei 47 Prozent aller Zwillingsgeburten der Fall. Auch wenn das erste Kind mit dem Schädel voran liegt und das zweite mit dem Becken, kann oft noch eine vaginale Geburt durchgeführt werden. Wenn sich jedoch bereits das erste Kind nicht mit dem Schädel, sondern mit dem Becken voran im Geburtskanal befindet, wird in der Regel ein Kaiserschnitt vollzogen. Auch eine Querlage des zweiten Kindes kann einen Kaiserschnitt erforderlich machen. Die Lage der Babys wird stets per Ultraschall überprüft.

Erfahrene Mütter, die den Kaiserschnitt grundsätzlich ablehnen, sollten mit dem behandelnden Arzt genau über mögliche Komplikationen sprechen.

Unterschiede zwischen Zwillings- und Einzelgeburt

Die Geburt von Zwillingen unterscheidet sich nicht grundsätzlich von der Geburt eines einzelnen Kindes. Die Geburt wird allgemein in drei Phasen eingeteilt: die Eröffnungsperiode, die Austreibungsperiode und die Nachgeburt.

Eröffnungsperiode:

Die Eröffnungsperiode beginnt mit dem Platzen der Fruchtblase, wodurch die Wehen ausgelöst werden. Um eine stärker ausgeprägte Wehentätigkeit zu erreichen, wird manchmal die Fruchtblase des ersten Kindes manuell geöffnet. Dieser Eingriff ist völlig harmlos, die Gebärende verspürt dabei lediglich das Fließen warmer Flüssigkeit. Die Eröffnungsperiode kann bei Zwillingsgeburten etwas länger dauern als bei Einzelgeburten, das ist aber auch schon der größte Unterschied. Massagen, richtiges Atmen, leichte Bewegung und verschiedene Entspannungstechniken helfen, den Wehenschmerz erträglicher zu machen. Bei Zwillingsgeburten wird für die Entbindung die klassische auf dem Rücken liegende Position empfohlen, da die Geburt so besser beobachtet werden kann. Dies gewährleistet, dass im Notfall sofortige Hilfe geleistet werden kann.

Austreibungsperiode:

In der Austreibungsperiode wird zunächst das erste Baby durch starkes Pressen aus dem Mutterleib befördert. Der Mutter wird empfohlen, von der ersten Presswehe an kräftig mitzudrücken. Eventuell wird ein Dammschnitt angelegt, um die Geburtsöffnung zu vergrößern und zu verhindern, dass das Gewebe reißt. Meist wird der erste Zwilling direkt abgenabelt, damit das behandelnde Team dem zweiten Kind die volle Aufmerksamkeit widmen kann. In manchen Fällen wird der Mutter das erstgeborene Kind gleich an die Brust gelegt, in anderen Fällen wird es zuerst vom Kinderarzt untersucht.

In der Regel folgt das zweite Kind etwa 15 bis 30 Minuten nach dem ersten. Länger sollte auch nicht gewartet werden, da sich sonst die Sauerstoffversorgung des zweiten Babys verschlechtern kann. Da der Geburtskanal nach der Geburt des ersten Kindes aber schon ausreichend ausgedehnt ist, kann der zweite Zwilling oft schnell und problemlos nachfolgen. Lässt sich das zweite Kind aber Zeit, kann mit Wehenmitteln nachgeholfen werden. Bei einem Geburtsstillstand nimmt der behandelnde Arzt Geburtszange oder Saugglocke zu Hilfe. Die Austreibungsphase dauert durchschnittlich zwischen 15 Minuten und einer Stunde. Insgesamt ist die Geburt von Zwillingen nicht unbedingt schmerzhafter als die von einem Kind. Oft haben die Zwillingsbabys kleinere Köpfe, was den Geburtsvorgang erleichtert.

Nachgeburt:

Die Nachgeburt dauert an, bis der Mutterkuchen vollständig ausgestoßen ist. Bei eine Zwillingsgeburt kann es zu stärkeren Blutungen kommen. Dagegen helfen Medikamente, die die die Gebärmutter anregen, sich zusammenzuziehen. Eventuell können starke, schmerzhafte Nachwehen auftreten, die mit Schmerzmitteln behandelt werden.

Fazit

Bei umfassenden Vorsichtsmaßnahmen, einer zuverlässigen Überwachung und einer vorausschauenden Betreuung und Behandlung laufen die meisten Zwillingsgeburten heutzutage ohne Komplikationen ab.

Bildnachweis: © Bobo – Fotolia.com, © fuxart – Fotolia.com, © GordonGrand – Fotolia.com


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