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Vorzeitiger Blasensprung in der Schwangerschaft

Bei 30 bis 40 Prozent aller Frühgeburten kommen die Kinder aufgrund eínes vorzeitigen Blasensprungs zur Welt.

Von einem vorzeitigen Blasensprung spricht man, wenn die Fruchtblase deutlich vor dem errechneten Geburtstermin reißt und das Fruchtwasser tröpfchenweise oder sogar schwallartig abgeht.

Dies kann für Mutter und Kind gleichermaßen gefährlich sein und daher sollte man umgehend einen Arzt aufsuchen, sobald man derartige Symptome bei sich feststellt.

Ursachen

Die Gründe für einen vorzeitigen Blasensprung können sehr vielfältig sein. Meist wird er durch eine vaginale Infektion ausgelöst, die zu einer Instabilität der Eihaut, also der Fruchtblasenwand, oder auch zu einem stark erhöhten Innendruck führen kann, so dass die Fruchtblase letztendlich reißt.

Aber auch andere Risikofaktoren können zu einem vorzeitigen Blasensprung führen. Eine vorausgegangene Ausschabung der Gebärmutter, Blutungen während der Schwangerschaft, eine frühere Fehlgeburt, wiederholte Abtreibungen, eine durchgeführte Fruchtwasseruntersuchung oder einfach eine vermehrte Bildung von Fruchtwasser können alles Gründe sein, die dazu beitragen, dass die Fruchtblase instabil wird und platzt.

Vermehrter Ausfluss und Fieber

Einen vorzeitigen Blasensprung festzustellen, ist für einen Laien nicht immer ganz einfach, da es ja nicht immer zwingend in einer schwallartigen Form geschieht. Geht das Fruchtwasser nur tröpfchenweise ab, so wird dies auch häufig mit der vorübergehenden Inkontinenz gegen Ende einer Schwangerschaft verwechselt.

Fruchtwasser ist wasserhell bis milchig-trüb und riecht süßlich. Bei wenigen Frauen kommt es vor dem Blasensprung zu Fieber und vermehrtem Ausfluss.

Untersuchung durch den Arzt

Um zuverlässig feststellen zu können, dass ein vorzeitiger Blasensprung vorliegt, muss der Arzt die werdende Mutter genau untersuchen. Die Untersuchung erfolgt mit einem sogenannten Spekulum, welches die Scheide spreitzt und so dem Arzt ermöglicht wird, den Fruchtwasserabgang im Gebärmutterkanal zu sehen.

Zudem macht er mit einem pH-Indikatorpapier einen Test zur Bestimmung des pH-Wertes. Dadurch lässt sich zusätzlich das Fruchtwasser von regulärem Urin differenzieren. In ganz seltenen Fällen muss der Arzt zur letztendlichen Diagnose eines vorzeitigen Blasensprungs auch noch ein Ultraschall durchführen.

Gefahr einer Blutvergiftung durch Amnioninfektionssyndrom

Stellt der Arzt tatsächlich die Diagnose „vorzeitiger Blasensprung“, so muss er die Frau auf ein Amnioninfektionssyndrom (AIS) untersuchen. Bei AIS geht es um eine mögliche Infektion der Fruchtblase, der Plazenta, der Eihaut oder des Fötus selbst und kann durch Erreger, wie Streptokokken oder Chlamydien hervorgerufen werden. Liegt AIS vor, so kann dies im schlimmsten Fall zu einer Sepsis (Blutvergiftung) führen.

Die Untersuchung auf AIS erfolgt anhand eines Blutbildes und bei einer bereits fortgeschrittenen Infektion kommen Symptome, wie eine erhöhte Herzfrequenz, Unterleibsschmerzen, Fieber und schlecht riechendes Fruchtwasser hinzu.

Maßnahmen nach einem vorzeitigen Blasensprung

Was bei einem vorzeitigen Blasensprung unternommen wird, richtet sich nach dem Schwangerschaftsstadium, welches bereits erreicht wurde. Vor der 24. Schwangerschaftswoche gilt es dann Bettruhe zu halten und regelmäßig die Blutwerte auf AIS zu überprüfen. Kommt es vor der 23. Schwangerschaftswoche zu Komplikationen bei der Entwicklung des Kindes oder stellt sich die Diagnose einer schweren AIS, so muss im Zweifelsfall sogar die Schwangerschaft abgebrochen werden.
Erst mit Erreichen der 23. Schwangerschaftswoche wird bei der Diagnose AIS die Geburt vorzeitig eingeleitet.

Bettruhe

Zwischen der 24. und 34. Schwangerschaftswoche wird ebenfalls Bettruhe verordnet, die werdende Mutter muss Antibiotika und wehenhemmende Mittel einnehmen. Zudem bekommt sie Medikamente, die die Reifung der kindlichen Lunge fördern. Sollte es zu einer Infektion mit AIS kommen, so wird unter einer Antibiotika-Therapie die Geburt schnellstmöglich eingeleitet.

Ist bereits die 34. Schwangerschaftswoche erreicht und besteht keine Verdacht auf AIS, so wird die Geburt nach 12 bis 24 Stunden eingeleitet. Desweiteren erfolgt unterstützend bis zur 37.

Schwangerschaftswoche eine Antibiotika-Therapie. Wird eine AIS-Infektion diagnostiziert, so wird das ungeborene Kind schnellstmöglich per Kaiserschnitt entbunden, wenn eine bald eintretende spontane Geburt nicht absehbar ist.

Große Belastung

Grundsätzlich ist ein vorzeitiger Blasensprung für die werdenden Eltern eine große psychische Belastung.
Auch die Vorstellung schon bereits zu einem sehr frühen Schwangerschaftsstadium das Bett oder Sofa hüten zu müssen, ist für viele Frauen nicht umsonst eine regelrechte Horror-Vorstellung. Ist es aber der Gesundheit des eigenen Kindes im Mutterleib dienlich, so wird sicherlich jede werdende Mutter diese Hürde nehmen und sich an die Anweisungen der Ärzte halten.

Wie hoch sind die Überlebenschancen für das Kind?

Prinzipiell kann man festhalten, dass ein Blasensprung natürlich umso komplizierter und risikoreicher ist, je früher er stattfindet. Die altersgerechte Entwicklung des Kindes kann stark beeinträchtigt werden und es kann zu verschiedenen Komplikationen bei Mutter und Kind kommen.

Natürlich sind die Überlebenschancen für das Kind umso besser, je weiter die Schwangerschaft bereits fortgeschritten ist. Es ist aber so, dass bei ca. 65 Prozent der betroffenen Frauen, eine Frühgeburt eingeleitet werden muss. Sicherlich ist dies kein schönes Thema, aber auch hier kann man festhalten, dass dank der modernen Medizin heute schon viel erreicht werden kann. Wichtig ist nur, dass man rechtzeitig ärztliche Hilfe aufsucht, um einen eventuellen Fruchtwasser-Verlust abklären zu lassen.

Bildnachweis: © S.Kobold – Fotolia.com


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