Skip to main content

Wie Eltern nach einer Fehlgeburt unterstützen?

Wer miterlebt wie eine gute Freundin oder eine nahestehende Verwandte ein Kind verliert, steht diesem schrecklichen Ereignis nicht selten ohnmächtig gegenüber. Gerade, wer selbst Kinder hat, kann sich diesen Schmerz, den die betreffenden Eltern aushalten müssen, sehr gut vorstellen, auch wenn man so einen Verlust selbst noch nicht erlebt hat. Man möchte den Betroffenen helfen, für sie da sein und ist gleichzeitig unsicher, wie man sich verhalten soll.

Hierbei ist es in aller erster Linie wichtig, die Trauer der verwaisten Eltern voll und ganz zu akzeptieren, was in der Gesellschaft nicht immer der Fall ist. Themen, wie Fehlgeburt oder Totgeburt werden gerne tabuisiert, da viele Menschen nicht mit solchen Themen umgehen können. Die Gesellschaft bagatellisiert auch gerne den Verlust eines Kindes, gerade, wenn es sich um eine frühe Fehlgeburt handelt. Das Kind hat dann quasi noch gar nicht gelebt, es gibt keine gemeinsamen Erinnerungen, um die man trauern könnte.

Doch die Tatsache ist, dass das Kind gelebt hat, sei es nur im Bauch der Mutter, es war da und muss betrauert werden, damit betroffene Eltern über diesen schmerzhaften Verlust hinwegkommen.
Trauer ist wichtig, um das Erlebte verarbeiten zu können. Begleiten Sie Ihre Freundin oder Verwandte auf diesem Weg der Trauer und ermutigen Sie sie auch die Trauer zu leben.
Im Nachfolgenden einige Tipps, wie Sie betroffenen Eltern helfen können.

Zuhören ist das A und O

Schenken Sie den Betroffenen ein offenes Ohr und geben Sie Ihnen das Gefühl, immer und jederzeit über das schreckliche Ereignis sprechen zu dürfen. Wenn Betroffene sich verschließen, ermutigen Sie die verwaisten Eltern, sich zu öffnen, ihre Geschichte zu erzählen. Fragen Sie ruhig nach, ob die Freundin gerne über das Baby sprechen möchte, und signalisieren Sie dadurch, dass Sie Interesse an diesem leidvollen Thema haben und gerne zuhören wollen. Gespräche, beziehungsweise das Erzählen, hilft den betroffenen Eltern das Geschehene zu verarbeiten. Sind Sie auch geduldig, wenn Ihre Freundin „ihre Geschichte“ zum wiederholten Male erzählt, sie muss immer wieder darüber sprechen, so lange, bis sie das Erlebte verarbeitet hat.

Es gibt auch Betroffene, die partout nicht reden möchten. Akzeptieren Sie diesen Entschluss, da manche Menschen einfach Zeit brauchen, sich zu öffnen – irgendwann werden auch diese Betroffenen mit anderen Menschen über das Erlebte sprechen.

Einfach da sein

Den Betroffenen hilft es in der Regel schon, wenn sie das Gefühl haben, nicht alleine zu sein. Auch wenn Ihre Verwandte vielleicht nicht reden möchte, tut es gut, wenn sie einen vertrauten Menschen an ihrer Seite hat.

Vielleicht fällt es Ihnen selbst auch schwer, die richtigen Worte zu finden, dann scheuen Sie sich nicht, dies auch zu äußern. Sagen Sie der betreffenden Frau, dass Ihnen die Worte fehlen – zeigen Sie Ihre eigene Hilflosigkeit.

Vielleicht brauchen die verwaisten Eltern Trauerrituale, um über den Verlust ihres Babys hinwegzukommen: Begleiten Sie die Eltern bei diesen Ritualen und seien Sie einfach da.

Tränen müssen sein

Gerade in der Anfangszeit nach einer Fehl- oder Totgeburt dominieren Schock und Ausweglosigkeit und nicht selten können die Betroffenen gar nicht weinen. Die Tränen fließen meist erst dann, wenn die eigentliche Verarbeitung bereits begonnen hat. Daher sind die Tränen, als ein gutes Zeichen zu deuten, da sie ein Ausdruck der beginnenden Verarbeitung sind. Lassen Sie die Betroffenen weinen und halten Sie auch Ihre eigenen Tränen nicht zurück – denn auch Sie dürfen traurig sein.
Beweinen Sie gemeinsam den Verlust des Babys, denn auch hier gilt: „Geteiltes Leid ist halbes Leid“.

Ein Geschenk mitbringen, tut gut

Bringen Sie der betroffenen Frau ein paar Blumen oder ein gutes Buch mit, das würden Sie auch tun, wenn das Kind nach der Geburt noch leben würde. Wichtig ist es auch, später den Jahrestag des Erlebten nicht zu vergessen, so signalisieren Sie den Eltern, dass Sie bei Ihnen sind und schenken dadurch Trost.

Helfen Sie bei der Ablenkung

Jeder kennt es und hat es bestimmt auch schon selbst erlebt: Passieren unangenehme und schmerzvolle Dinge im Leben, ist ein Rückzug und ein Verkriechen für viele Menschen die beste Lösung. Am liebsten würde man sich in sein eigenes Schneckenhaus zurückziehen und gar nicht mehr am Leben teilnehmen. Versuchen Sie die betroffenen Eltern, für einen Spaziergang oder einen Parkbesuch zu motivieren. Bewegung an der frischen Luft tut gut und hilft bei der Verarbeitung. Die verwaisten Eltern erhalten somit eine Auszeit von ihrer Trauer, um wieder neue Kraft zu sammeln und auch wieder am „normalen“ Leben teilzunehmen.

Ist eine gewisse Zeit verstrichen, sind auch Kinobesuche oder ein gemeinsamer Restaurantbesuch gute Ideen für die Ablenkung.

Geben Sie Unterstützung im Alltag

Für Betroffene ist es nicht immer einfach, nach dem Verlust eines Babys, ihren Alltag zu bewältigen. Geben Sie praktische Unterstützung und helfen bei der Hausarbeit oder kochen Sie das Lieblingsgericht der besten Freundin. Wenn schon ältere Kinder da sind, übernehmen Sie auch die Betreuung der Kinder für ein paar Stunden. So haben die verwaisten Eltern Zeit zum Atem holen.

Sonstige Hilfe

Verweisen Sie die Betroffenen auf Selbsthilfegruppen und suchen Sie aktiv nach Adressen in der näheren Umgebung. Auch gewisse Literatur kann hilfreich sein: Haben Sie ein Buch über das Thema „Verlust eines Kindes“ gefunden, schenken Sie es den Eltern.

Selbsthilfegruppen sowie auch die richtige Literatur können helfen den Verlust zu verarbeiten. Bedenken Sie, dass die betreffenden Eltern selbst oft nicht die Kraft aufbringen können, solche Dinge alleine zu organisieren. Sie sind eine große Hilfe, wenn Sie die Organisation übernehmen.

Übersehen Sie Warnsignale nicht

Bei einigen Betroffenen kann es auch vorkommen, dass sich die Trauer in eine richtige Depression verwandelt. Hier können Sie alleine wenig ausrichten. Wer eine Depression bekommt, braucht fachmännische Hilfe. Der Gang zum Psychologen ist unumgänglich. Folgende Warnsignale sollten Sie ernst nehmen: Der Wunsch beim Kind zu sein, nimmt überhand, der Alltag wird nicht mehr bewältigt und die Betroffenen stürzen sich in übermäßigen Alkoholgenuss. Sie spüren bei Ihrer Freundin ein nicht enden wollendes Schuldgefühl oder machen die Entdeckung von Ängsten oder Phobien.

Zögern Sie in diesen Fällen nicht, die beste Freundin daraufhin anzusprechen, und sie zum Psychologen zu begleiten. Informieren Sie auch den Partner, damit der betroffenen Frau schnell geholfen werden kann. Denn je länger man die Warnsignale ignoriert, desto schwerer ist ihnen beizukommen.

Und das sollten Sie nicht tun

Auch wenn es Ihnen selbst schwerfällt, mit der betreffenden Frau über das Geschehene zu sprechen, ist es wichtig, sich nicht zurückzuziehen. Frauen, die ein Kind verloren haben, sind sehr einsam und brauchen Unterstützung von außen. Sie brauchen jemand, der Ihnen zuhört, der mit ihnen spricht und der einfach da ist.

Außerdem sind die betreffenden Frauen äußerst sensibel und verletzlich. Achten Sie daher auf Ihre Worte, die Sie äußern, auch wenn Ihre Ratschläge gut gemeint sind, können sie mitunter verletzen.
Vermeiden Sie Äußerungen wie „Du kommst schon darüber hinweg“ oder „Du kannst noch andere Kinder haben“.

Auch die Aussage wie „Beim nächsten Mal klappt es bestimmt“ ist während der Trauer um ein verlorenes Kind nicht angebracht. Ebenso sollten Sie auch nicht von Gottes Wille oder eventuellen Behinderungen sprechen und auch nicht auf bereits vorhandene Kinder hinweisen. Dies alles ist wenig hilfreich auch wenn es gut gemeinte Ratschläge sein sollen.

Verbieten Sie der betreffenden Frau auch niemals zu weinen, ermuntern Sie sie eher dazu, ihren Tränen freien Lauf zu lassen.

Dezent Hilfe anbieten aber nicht aufdringlich sein

Ebenso sollten Sie nicht denken, ein Zusammentreffen mit anderen Schwangeren oder kleinen Kindern würde Ihrer Freundin gut tun, das wäre eher sehr belastend für die betreffende Frau. Der Verlust wird dadurch deutlicher und noch schmerzvoller. Sind Sie selbst gerade schwanger, sollten Sie Ihrer Freundin trotzdem Ihre Hilfe anbieten, aber nicht persönlich getroffen sein, wenn sie vielleicht gerade zu Ihnen in dem Moment keinen Kontakt möchte. Das liegt dann nicht an Ihnen selbst, vielmehr an Ihrer bestehenden Schwangerschaft, die Ihre Freundin an ihren eigenen Verlust erinnert. Überlassen Sie es ihr, wann sie den Kontakt zu Ihnen aufnehmen möchte. Rufen Sie dann und wann bei Ihrer Freundin an und akzeptieren Sie, wenn Ihre Freundin einen direkten Kontakt vermeiden möchte, da sie vielleicht mit Ihrer Schwangerschaft gerade schlecht umgehen kann.

Beim Verlust eines Kindes reagieren Betroffene manchmal in einer Art und Weise, die Sie sonst nicht an diesen Personen kennen. Bedenken Sie, dass solche Menschen sich in einer Ausnahmesituation befinden und großes Leid verarbeiten müssen. Sie müssen mit der Situation, das Kind verloren zu haben, fertig werden und zeigen sich dadurch oft von einer unbekannten Seite. Nehmen Sie bitte gar nichts persönlich, keine Reaktion hat mit Ihnen selbst zu tun, vielmehr ist es Ausdruck tiefer Trauer und Schmerz.

Bildnachweis: © Kitty – Fotolia.com


Ähnliche Beiträge



Keine Kommentare vorhanden


Du hast eine Frage oder eine Meinung zum Artikel? Teile sie mit uns!

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Ich akzeptiere