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Verschiedene Geburtsstellungen

Bis vor ungefähr zwanzig Jahren war es in der westlichen Welt, also auch in Deutschland üblich, sein Kind liegend im Bett zur Welt zu bringen. Wie es dazu kam, ist mehr als fraglich, aber Gott sei Dank hat sich gerade in Bezug auf die natürliche Geburt in den letzten zwei Jahrzehnten sehr viel getan. Man macht sich bei der Entbindung wieder einen ganz wesentlichen Faktor unterstützend zunutze – die Schwerkraft.

Probieren Sie verschiedene Geburtsstellungen aus

Befindet sich nämlich die Gebärende bereits in aufrechter Position, so wird der Kopf des Babys dank der Erdanziehungskraft schon auf den Gebärmutterhals zugeschoben und weitet diesen dadurch. So wird der Weg des Kindes durch den Geburtskanal geebnet und erleichtert.

Es ist tatsächlich erwiesen, dass bei Frauen, die sich während der Geburt bewegen und verschiedene Geburtsstellungen ausprobieren, die Geburt schneller und unkomplizierter verläuft. Sie benötigen weniger Arzneimittel zur Schmerzlinderung als Frauen, die liegend im Bett gebären.

In aufrechter Position ist es den Frauen besser möglich mit den Wehen mitzugehen und sie fühlen sich nicht so ausgeliefert, als wenn sie im Bett liegen. Zudem kann die Frau in aufrechter Haltung besser atmen und weist ein deutlich größeres Lungenvolumen auf, was wiederrum eine bessere Sauerstoffversorgung des ungeborenen Kindes gewährleistet.

Mit voranschreitender Schwangerschaft machen sich alle Frauen früher oder später Gedanken um den möglichst optimalen Geburtsverlauf. Sie überlegen wo, und wie sie ihr Kind zur Welt bringen möchten und dies ist auch durchaus sinnvoll.

Man sollte sich auf jeden Fall im Vorfeld über die verschiedenen Geburtsstellungen und Hilfsmittel informieren, die man während der Entbindung ausprobieren kann.

Deshalb ist es auch wichtig, sich eingehend über dieses Thema in der Klinik oder dem Geburtshaus zu informieren, wo man gerne entbinden möchte. Hierfür sollte man die angebotenen Informationsabende nutzen, bei denen im Anschluss meist auch eine Kreissaal-Besichtigung stattfindet.

Wie im Grunde schon oben erklärt, ist die Rückenlage am wenigsten zur Entbindung geeignet. Allerdings ist es durchaus sinnvoll, sich zwischenzeitlich in dieser Position auszuruhen und neue Kräfte zu sammeln. Es gibt nämlich während der Geburt oftmals Phasen, in denen es der Frau schier unmöglich erscheint, noch einmal aufzustehen. In diesen Momenten ist es wichtig, dass sie durch die Hebamme und den Partner dazu motiviert wird, nochmals eine andere Geburtsstellung auszuprobieren. Bei ganz modernen Kreissaal-Betten gibt es auch die Möglichkeit, diese beispielsweise in einen Stuhl umzubauen, sodass sich wieder neue Varianten ergeben.

Der Vierfüßlerstand

Sehr beliebt mittlerweile ist der Vierfüßlerstand. Bei Naturvölkern ist er eine absolut gängige Geburtsstellung und hat auch schon in der westlichen Welt an großer Bedeutung gewonnen, weil sie die Rückenmuskulatur entlastet. Dies ist besonders angenehm bei starken Rückenschmerzen.


Meist kniet die Gebärende mit aufgestützten Händen im Kreisbett, was für die Hebamme und den behandelnden Arzt, das Eingreifen während der Geburt deutlich einfacher gestaltet, als auf dem Fußboden.

Gebärstuhl, Gebärhocker, Gymnastikrad und Gebärrad

Um die bereits erwähnte Erdanziehungskraft sinnvoll auszunutzen, eignen sich auch Geburtsstellungen in der Hocke oder im Sitzen. Die aufrechte Haltung sorgt dafür, dass das Gewicht des Kindes und der Fruchtblase nach unten drückt und dadurch der Muttermund geöffnet und der Geburtskanal geweitet wird.
Positiv ist eben auch das erleichterte Atmen, sodass sich diese Geburtsstellungen besonders gut in der Austreibungsphase eignen. Da die Frau in diesen Positionen besonders gut pressen kann, braucht es manchmal nur zwei Presswehen in der Austreibungsphase, um die Geburt erfolgreich zum Abschluss zu bringen.

Als Hilfsmittel für die sitzende oder hockende Stellung dienen der Gebärenden beispielsweise Gebärstuhl, Gebärhocker, Gymnastikrad oder Gebärrad.

Stehende Position

In der Eröffnungsphase der Entbindung empfinden es viele Frauen als besonders angenehm, den schmerzlichen Wehen im Stehen oder auch im Gehen zu begegnen. Wie auch beim Sitzen oder Hocken gelten auch hier die erleichternden Bedingungen, die eine aufrechte Position während der Geburt mit sich bringen.

Für die stehende Position stehen der Frau meist Geburtsseile oder Sprossenwände zur Verfügung, an denen sie sich festhalten kann. In Geburtsvorbereitungskursen lernen auch viele Paare stehende Geburtsstellungen kennen, bei denen sich die Frau an dem Partner festhalten kann und er sie aktiv unterstützen kann.

Die Wassergeburt

Eine ebenfalls alte und sehr bewährte Geburtsart ist die Wassergeburt. Hierbei handelt es sich nicht direkt um eine Geburtsstellung, sondern eher um eine örtliche Möglichkeit, sein Kind zur Welt zu bringen.

Frauen empfinden das warme Wasser als schmerzlindernd und die Wehentätigkeit wird angeregt. Da das Dammgewebe im Wasser weicher wird, treten seltener Dammrisse auf.

Möchte man eine Wassergeburt in Erwägung ziehen, so sollte man auf jeden Fall ein zusätzliches langes T-Shirt in die Kliniktasche packen, was man dann in der Badewanne tragen kann. Viele Frauen fühlen sich nämlich etwas bekleidet ein wenig wohler in dieser Situation, also komplett nackt zu sein.

Entscheidet man sich im Vorfeld für eine Wassergeburt, so sollte man sich aber nicht zu sehr darauf versteifen. Bei einer Vielzahl von Frauen ist es so, dass sie erst während der Entbindung merken, dass sie sich im Wasser gar nicht wohlfühlen. Regt das warme Wasser bei den meisten Frauen die Wehentätigkeit an, so kann es bei anderen Frauen aber auch wiederrum sein, dass die Wehen ins Stocken geraten und sich nichts tut. Spätestens dann muss auf jeden Fall die Geburtsstellung wieder geändert werden.

Es gibt auch Frauen, die die Befürchtung hegen, dass ihr Baby bei einer Wassergeburt ertrinken könnte.
Bis zur Durchtrennung der Nabelschnur wird das Kind aber noch darüber versorgt und zudem verfügt es über einen Atemschlussreflex, der verhindert, dass Wasser in die Lunge eintreten kann. Es ist also eher das Gegenteil der Fall, denn die Wassergeburt gilt als besonders sanfte Methode, sein Kind zur Welt zu bringen. Es gleitet sozusagen aus dem Körper der Mutter in das warme Wasser und erlebt dadurch die ersten Sekunden seines Lebens in einem Element, was es nur zu gut aus dem Mutterleib kennt.

Grundsätzlich probieren die meisten Frauen während der Geburt viele verschiedene Geburtsstellungen aus, denn jede Phase eines Geburtsvorgangs erfordert andere Positionen. Intuitiv wird man als Frau merken, was einem gut tut und die Schmerzen erleichtert. Durch einen absolvierten Geburtsvorbereitungskurs hat man gelernt, wie man sich am besten entspannt, die Hüften kreist und richtig atmet.

Zudem hat man ja auch Unterstützung in Person einer Hebamme und im besten Fall auch des Partners. Beide sollten während der gesamten Entbindung darum bemüht sein, alles dafür zu tun, damit es der Mutter gut geht.

Epiduralanästhesie

Entscheidet man sich als Gebärende für eine Epiduralanästhesie, die einen von der Taille ab betäubt, so ist es natürlich logisch, dass einem die Möglichkeit verschiedener Geburtsstellungen genommen wird.
Vielleicht hat man noch so viel Gefühl in den Beinen, dass man es schafft, sich auf einem Stuhl zu positionieren. Hier sollte man die Beine spreizen, und sobald eine Wehe kommt, kann man sich mit dem Oberkörper nach vorne lehnen.

Ansonsten bringen aber die meisten Frauen mit einer Epiduralanästhesie ihre Kinder im Liegen auf dem Kreisbett zur Welt. Hierbei liegt man am besten auf der linken Seite, gut gestützt von Kissen im Lendenbereich und bei jeder Wehe kann der Partner das rechte Bein unterstützend anheben.

Es ist nicht ratsam auf dem Rücken zu liegen, da hierbei die Sauerstoffversorgung des Kindes nicht gewährleistet ist. Da man aber mit einer Betäubung keine Option hat im Stehen oder Hocken zu gebären, ist die Seitenlage die einzige Alternative zur Rückenlage.

Partner sollte die Wünsche der Frau kennen

Als Gebärende sollte man sich aktiv in den Geburtsablauf einbringen und seine Wünsche und Bedürfnisse offen äußern. Viele Frauen empfinden eine Geburt in der Klinik oft als fremdbestimmt, weil Hebammen und Ärzte den Ton angeben. Dessen sollte man sich im Vorfeld bewusst sein, um effektiv entgegensteuern zu können.

Am besten bespricht man auch mit dem Partner, wie man sich die Geburt vorstellt, sodass auch er die Wünsche seiner Frau unterstützend durchsetzen kann, wenn es ihr in manchen Phasen einfach an der nötigen Kraft dazu fehlt.

Bildnachweise: © olly – Fotolia.com, © Eugen Wais – Fotolia.com


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