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Schwangerschaft bei älteren Paaren

Vor 40 Jahren galt eine Frau, die ihr erstes Kind erst mit 30 Jahren zur Welt brachte als Spätgebärende. Heute sind Frauen, die erst mit 40 schwanger werden keine Seltenheit mehr. Immer mehr Paare entscheiden sich erst jenseits der 30 für die Familienplanung – rund zehn Jahre später als 1970.
Warum ist das so? Müssen sich die sogenannten „Spätgebärenden“ Gedanken zu eventuellen Risiken während der Schwangerschaft und bei der Geburt machen? Vermindert sich mit zunehmendem Alter der Frauen, nicht auch die Chance schwanger werden zu können? Birgt eine späte Schwangerschaft nicht auch ein erhöhtes Risiko für Fehlgeburten oder Missbildungen beim Kind?

Karriere oder Kind?

Während in vergangenen Zeiten bei Frauen im gebärfähigen Alter die Mutterrolle ganz oben stand, entscheiden sich heute viele junge Frauen zunächst für die berufliche Seite des Lebens. Beruflich auf sicheren Beinen zu stehen, wird für die moderne Frau immer wichtiger und auch Männer wollen sich, bevor sie eine Familie gründen, zunächst beruflich etablieren. Der Lebensentwurf junger Menschen sieht heute ganz anders aus als in vergangenen Tagen. Gerade die finanzielle Unabhängigkeit ist für die Frau von heute von größter Bedeutung. Und erst wenn die Rahmenbedingungen stimmen, denkt die Frau über die Familienplanung konkret nach. Allerdings ist auch den heutigen Frauen bewusst, dass die biologische Uhr irgendwann tickt.

Seit Jahren kann beobachtet werden, dass Frauen ihr erstes Kind immer später bekommen. Laut Statistiken sind in Deutschland die werdenden Mütter im Durchschnitt bei der Geburt ihres Kindes 30,5 Jahre alt. Ihr erstes Kind bekommen die heutigen Frauen durchschnittlich mit 28,9 Jahren. Diese Zahlen ermittelte das Deutsche Bundesamt im Jahr 2010. Einen durchaus sprunghaften Anstieg ist bei Frauen ab 40 Jahre zu erkennen: Während im Jahr 2000 nur 1,8 Prozent aller Mütter mit 40 Jahren ihr erstes Kind bekamen, stieg die Anzahl im Jahr 2003 bereits auf 3,9 Prozent.

Die biologische Uhr tickt

Die Fruchtbarkeit nimmt mit zunehmendem Alter ab, das heißt je älter eine Frau bei der Familienplanung ist, desto niedriger liegt die Wahrscheinlichkeit, schwanger werden zu können.
Frauen können mit der allmählichen Abnahme der Fruchtbarkeit ab dem 30. Lebensjahr rechnen, bei den Männern beginnt sie hingegen um den 40. Geburtstag. Daher beanspruchen immer mehr ältere Paare die Kinderwunschberatung.

Des Weiteren steigt bei älteren werdenden Müttern, also bei Spätgebärenden, auch das Risiko einer Fehlgeburt.

Wirkt sich ein höheres Alter negativ auf Schwangerschaft und Geburt aus?

Während in vergangenen Tagen die vielen Geburten bei den Frauen zu Komplikationen führten, sind heute ältere Frauen, die sich erst spät für ein Kind entscheiden, in der Regel gesund und fit. Dennoch zeigen sich bei älteren werdenden Müttern vermehrt Erkrankungen, wie Beschwerden des Nervensystems, Diabetes oder die Bildung von Fibromen. In manchen Fällen kann sich eine solche Erkrankung auch negativ auf Schwangerschaft und Geburt auswirken. Des Weiteren belegen Studien, dass bei der Geburt bei älteren Frauen bestimmte Schwangerschaftskomplikationen ansteigen. Dazu zählen unter anderem: schwangerschaftsbedingter Diabetes, hoher Blutdruck, Blutungen und Frühgeburten.

Schwangerschaftsvorsorge ist wichtig

Die regelmäßige Schwangerschaftsvorsorge ist bei jungen und auch bei älteren Frauen wichtig. Egal, ob eine Frau ihr erstes oder ihr viertes Kind erwartet. Ist eine schwangere Frau älter, können mehr Untersuchungstermine wahrgenommen werden und vor allem auch zusätzliche Untersuchungen, die bei jüngeren Frauen nicht gemacht werden. Hierzu zählt beispielsweise bei schwangeren Frauen ab 35 die Möglichkeit der Fruchtwasseruntersuchung. Dennoch können die werdenden Mütter selbst entscheiden, welche Untersuchungen, die richtigen für sie sind.

Vorteile der spät gebärenden Mütter

Wenn Frauen sich erst spät für ein Kind entscheiden, ist dies keine wage Entscheidung, vielmehr eine Entscheidung mit „Hand und Fuß.“ Eine ältere Frau entscheidet sich ganz bewusst für ein Kind, eine ältere Frau weiß genau, was sie will. Frauen um die 35 haben meist auch eine gesündere Lebensweise, ernähren sich abwechslungsreicher und achten auch auf ausreichende Bewegung. Sie verstehen die Bedürfnisse ihres Körpers meist besser als jüngere Frauen. Sie regieren gelassener auf die Umstellung während einer Schwangerschaft und haben meist auch eine positivere Einstellung zum eigenen Körper. Auch in finanzieller Hinsicht ist die ältere Frau meist besser gestellt.

Geburtsverlauf bei älteren Frauen

Einerseits nehmen Kaiserschnitte bei älteren Frauen zu, andererseits beobachtet man auch häufiger eingeleitete Geburten. Ebenso vermehren sich, laut Statistik, auch die Saugglocken- und Zangengeburten mit dem zunehmenden Alter der Frau.

Doch sind solche Eingriffe tatsächlich immer nötig?

Da sich bei älteren Frauen oft auch schwangerschaftsbedingte Komplikationen einstellen können, wird in vielen Fällen ein Kaiserschnitt oder eine Zangengeburt notwendig, um das Wohl des Ungeborenen nicht zu gefährden. Älteren Frauen sollten aber vorsichtig sein, denn viele Ärzte oder Hebammen ziehen manchmal auch ohne Grund einen solchen Eingriff vor. Spätgebärende sollten sich bereits im Vorfeld gut informieren und sich beim Vorschlag eines solchen Eingriffes auch das Für und Wieder genauestens erklären lassen.

Risiken bei der Geburt von Spätgebärenden

Laut Statistiken sterben weitaus mehr ungeborene Kinder von spätgebärenden Müttern als vergleichsweise Kinder von jüngeren Frauen. Diese Tatsache ist bis heute nicht vollstädig erklärbar, sollte aber sehr ernst genommen werden! Statistiken belegen, bei älteren Frauen das Verhältnis 1 zu 440, im Vergleich zu jüngeren Frauen, bei denen die Zahlen bei 1 zu 1000 liegen. Aus diesem Grund sind die Hebammen und Ärzte gerade zum Ende der Schwangerschaft, sehr darauf bedacht nichts zu übersehen.
Es gibt Geburtshelfer, die von vorneherein schon von Komplikationen bei spät gebärenden Frauen ausgehen und damit die werdenden Mütter sehr verunsichern.

Letztendlich ist es gut die schwangere Frau im Blick zu haben, um eventuelle Risiken zu erkennen – allerdings gilt das für alle schwangeren Frauen. Dennoch sollten Ärzte und Hebammen auch darauf achten, den Frauen nicht unnötig Angst zu machen und sie nicht zu sehr zu verunsichern. Denn es gibt zahlreiche Geburten von älteren Frauen, bei denen alles völlig komplikationslos und normal verlaufen ist.

Haben ältere Frauen auch Vorteile bei der Geburt?

Obwohl eine ältere Frau mehr Risiken für Komplikationen bei der Geburt haben kann, belegen Statistiken, dass es den betreffenden Babys genauso gut geht wie den Babys jüngerer Mütter. Die Statistiken basieren auf die späteren Vorsorgeuntersuchungen und auch auf den Gesundheitszustand der Neugeborenen.

Ein Pluspunkt für ältere werdende Mütter ist ihr größeres Selbstbewusstsein und das Durchhaltevermögen.

Sie sind auch während der Geburt weniger hilflos als die jüngeren Mütter.

Hat das höhere Alter einer schwangeren Frau auch Auswirkungen auf das Baby?

Die Wahrscheinlichkeit, mit zunehmendem Lebensalter der Frau, ein Baby mit Downsyndrom zu gebären, ist deutlich höher als bei jüngeren Frauen.

Während bei Frauen im Alter von 25 Jahren, bei 1.500 Babys ein Kind mit Downsyndrom kommt, liegen die Zahlen bei 35-jährigen Frauen bei 1 zu 400. Bei Frauen ab 40 Jahre steigen die Zahlen von 1 zu 109 und ab 45 belaufen sich die Zahlen auf 1 zu 32.

Weitere Chromosomenanomalien, wie beispielsweise das Edwards Syndrom, kommen ebenfalls vermehrt bei älteren Frauen vor. Wer sichergehen möchte, auch bei höherem Lebensalter ein gesundes Kind zu bekommen, kann sich bestimmten Test unterziehen. Unter anderem liefert die Fruchtwasseruntersuchung sichere Ergebnisse während der Schwangerschaft. Zeigt die Fruchtwasseruntersuchung eventuelle Erkrankungen beim Baby an, kann die betroffene Frau einen Schwangerschaftsabbruch vornehmen lassen oder sich schon relativ früh mit dem Gedanken, ein behindertes Kind zur Welt zu bringen, befassen. Alle Tests sind freiwillig und dürfen nicht ohne Zustimmung der werdenden Mutter gemacht werden.

Wann sich ein Paar nun tatsächlich für ein Kind entscheidet, bleibt jedem selbst überlassen. Dass die biologische Uhr irgendwann tickt, bleibt unumstritten und sollte in jedem Fall bei der Familienplanung miteinbezogen werden. Dennoch ist es sicherlich nicht verkehrt, zunächst ein berufliches Standbein zu schaffen und dann über Kinder nachzudenken, statt umgekehrt.

Die Frage, nach dem richtigen Zeitpunkt für eine Schwangerschaft kann nicht pauschal beantwortet werden. Ist für das eine Paar in jüngeren Jahren die richtige Zeit für ein Kind, kann sich ein anders Paar hingegen eine Elternschaft vielleicht erst mit 40 Jahren vorstellen.

Bildnachweis: © hannamonika – Fotolia.com


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